Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst.— 1.Korinther 6,19

Lieber Leser, liebe Leserin unseres Gemeindebriefes.

Sie sind klein, handlich, verschieden groß, verschieden aufgebaut, verbindbar mit dem Smartphone – und sie sammeln, und sammeln und sammeln. Sie sammeln Daten, verarbeiten sie und zeigen uns dann Statistiken, zurückgelegte Wege, verbrauchte Kalorien, Optimierungspotenziale. Vernetzt kann man dann sogar noch sehen, wie fit die Freunde oder Kollegen sind.

Fitness-Armbänder haben längst die Freizeit- und Sportwelt erobert und geben uns das Gefühl, unseren Körper gut zu pflegen, sicher zu trainieren und im Wettbewerb mit anderen oder den eigenen Zielen gut dazustehen.

Selbstoptimierung ist eines der großen Stichworte dieser Tage. Ich für mich mit mir selbst.

In dieses Lebensgefühl spricht Paulus hinein: „Ihr gehört nicht euch selbst.“ Paulus macht uns auf einen Umstand aufmerksam, der mit unserer Hinwendung zu Jesus Christus real geworden ist. Wir gehören nicht uns selbst. Wir sind Geschöpfe Gottes. Wir haben uns Gott hingegeben, mit unserem Leben – völlig und ganz. Nicht wir haben das letzte Wort über uns zu sprechen, auch sonst niemand und nichts, sondern alleine Gott.

Wie gehen wir mit Gottes Eigentum um? Wenn mir das Auto eines Freundes zur Benutzung überlassen wird, dann gehe ich damit aller Voraussicht nach sorgsamer um, als wenn es völlig mir gehört. Die Benutzung und Gestaltung eines Gartens ist anders wenn er mir gehört, als wenn er mir – wie ich es gerade selbst erlebe – zur Pflege überlassen wurde. Mit fremdem Eigentum gehen wir sorgsam um.

Und wie gehen wir mit unserem Körper um? Paulus beschreibt ihn als Tempel des Heiligen Geistes. Der Tempel in Jerusalem diente zur Anbetung und Ehre Gottes, als Kontaktpunkt zwischen Gott und Menschen. Durch den Heiligen Geist ist diese Ortsgebundenheit aufgehoben. Doch das Ziel ist geblieben: Gott gehört alle Ehre. Und mit Paulus heißt das dann auch, dass wir mit uns selbst so umgehen sollen, dass es Gott ehrt. Damit ist ein „unsachgemäßer Gebrauch“ des eigenen Körpers für uns Christen nicht im Sinne Gottes. Im Kontext sehen wir klar, dass Paulus hier den Bereich von Beziehungen und Sexualität anspricht. In geordneten Bahnen soll es laufen – sexuelle Entgleisungen, und seien sie noch so akzeptiert in der Gesellschaft, sind damit tabu, weil sie dem Körper und der Seele massiv schaden – wie übrigens jede andere Entgleisung auch: Übermäßiger Alkoholkonsum und Völlerei, Habsucht und Lästern einerseits und – nicht direkt von Paulus erwähnt aber im Vers angelegt – ungesundes sich selbst Optimieren wollen und das Gegenteil: das Vernachlässigen des eigenen Körpers andererseits stehen da auf gleicher Linie. Auf sich zu Achten und für den Körper zu sorgen ist wichtig, doch darf ich von der Selbstoptimierung nicht abhängig werden. Andererseits ist es auch nicht gut, ganz und gar auf körperliche Fürsorge zu verzichten und sich da rauszureden (keine Zeit, kein Geld, keine Motivation). Denn wer den eigenen Körper vernachlässigt, der hat nicht nur ein höheres Krankheitsrisiko, er gerät auch in eine Abwärtsspirale der Trägheit, die sich auf andere Bereiche des Lebens und sogar auch auf den Glauben auswirken kann. Grundsätzlich gilt für unseren Körper das, was für jede Person oder Sache gilt, die uns von anderen anvertraut wurde: Wir sollen gut dafür sorgen, ohne auf der Seite der Pflege oder der Seite des Nichtstuns vom Pferd zu fallen und dort in Abhängigkeiten zu geraten.

Als Christen können und sollen wir im Umgang mit unserem Körper Vorbild sein – indem wir in gutem gottgemäßem Maße mit ihm umgehen. Verwahrlosen und Überschmücken ist beides am Ziel vorbei.

Darum ist es nun gut, wenn wir uns vom Frühling und den wärmeren Temperaturen ziehen lassen, in den Garten, auf die Laufstrecken, auf den Balkon usw. – je nach körperlicher Verfassung – und unseren Körper, den Gott uns gegeben hat, in gesunder Weise pflegen. Und wenn die kleinen Geräte mit den Statistiken und Tabellen und Übersichten Dir dazu helfen, dann kannst Du sie ruhig auch benutzen. Wenn sie Dich aber in Abhängigkeiten bringen, solltest du sie jedoch schleunigst aus Deinem Leben verbannen und Dir Hilfe suchen.

Paulus macht uns klar: Gib Acht auf dich selbst und ehre Gott damit. Halte deine Vorsätze ein, aber nimm Dich so an, wie Gott dich geschaffen und gewollt hat. Tu das Deine, was du tun kannst, auch für Deinen Körper – aber überlass Gott die Regie und achte die Grenzen, die er Dir gesetzt hat. Pflege Deinen Leib – aber nimm Dir auch intensiv Zeit für Deine Seele!

Denn: Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt.

Gott segne Sie und Euch dazu

Euer / Ihr Pastor Enrico Klee