Bin ich dabei – oder nicht dabei? Gehöre ich dazu, oder erfülle ich die Voraussetzungen (noch) nicht? In vielen Bereichen unseres Lebens stellt sich im Hintergrund genau diese Frage. Ob im Sportverein, oder beim Lotto am Samstag. Ob bei der Geburtstagsfeier vom Nachbarn oder nach einem Bewerbungsgespräch. An vielen Stellen im Alltag wird diese Frage in einer ihrer zahlreichen Facetten deutlich.
Es beschäftigt uns, lässt uns vergleichen, treibt uns zu Leistungen, manchmal sogar zu Höchstleistungen an. Und nicht nur wir Menschen, auch Institutionen wie Universitäten oder Firmen sind davon betroffen, wenn es z.B. um die Frage geht: Wer wird in den Kreis der Elite-Unis aufgenommen? Zur Zeit meines Studiums war das ein beherrschendes Thema. Sind wir dabei – oder doch nicht? Und daran hing viel, nicht zuletzt auch die finanzielle Ausstattung der Universität.
Ethische Fragen wie die nach umweltbewusstem Lebensstil, dem finanziellen Rahmen, der eigenen Sicherheit, den Beziehungen, in denen wir leben usw. drehen sich um diesen Punkt: gehöre ich aufgrund dieser oder jener Einstellung, Herkunft, Orientierung dazu – oder eben nicht?
Man könnte meinen, dass diese Frage ein Produkt unserer Gesellschaft ist. Doch wenn wir in die Bibel schauen, dann stellen wir fest: das ist eine sehr alte Frage – und sie beschäftigt uns Menschen immer da, wo wir uns zu Gruppen sammeln. Im Wort für die kommende Woche, Epheser 2,19, kommt genau diese Frage zur Sprache: Gehören wir nun dazu – oder nicht?
Es sind nicht-jüdisch-stämmige Christen, deren Frage aufgenommen und beantwortet wird. Es sind Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und der damals bekannten biblischen Überlieferung, dem Alten Testament, eigentlich den Schluss ziehen mussten: Wir gehören nicht dazu. Und die, die dazugehörten, haben das genauso gesehen: Ihr gehört nicht dazu – so ist es zu lesen!!
Doch die Leser haben eins übersehen, und das stellt der Epheserbrief klar: Entscheidend für die Frage nach drinnen oder draußen ist nicht die Frage der Herkunft oder sonst eine gesellschaftliche und ethische Kategorie. Entscheidend ist der Glaube an Jesus Christus, als gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Es ist der Glaube daran, dass Gott in Jesus Christus die Menschen mit sich versöhnt hat – und jede und jeder, der das von Herzen glaubt, gehört dazu. Der Glaube, die Zuwendung zu Jesus Christus ist das Kriterium – nichts anderes.
Ich fotografiere gerne und habe viele der großartigen Kathedralen an der Ostsee besucht und digital „mit nach Hause genommen“. Eins ist mir jedoch immer wichtiger geworden. Wenn ich mit Fotos christliches Leben zeigen möchte, dann fotografiere ich keine geschlossenen Kirchentüren mehr – sondern wenn ich Türen fotografiere, dann nur noch offene, am liebsten mit Menschen dabei. Denn Gott ist so: er macht seine Tür weit auf für jeden, der kommen will und sich im Glauben an Jesus Christus ihm zuwendet.
Drinnen oder draußen? In Bezug auf den Glauben haben wir eine deutliche Antwort: der Epheserbrief macht klar, was jedem Menschen gilt, der an Jesus Christus glaubt – und wir sind hoffentlich auch in der gleichen Weise deutlich: „So seid ihr also keine Fremden mehr, geduldete Ausländer, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und gehört zur Familie Gottes.“
Wenn Sie in den kommenden Tagen bewusst das draußen wählen – draußen aus der Arbeit, im Urlaub drin, dann überlegen Sie doch mal, was es für Sie heißt: Gott heißt jeden willkommen, der sich ihm zuwendet! Vielleicht ist für Sie ja dann auch ein neues „drin“ in der Kirche / christlichen Gemeinde vor Ort wieder „drin“?
Ihr Pastor Enrico Klee