Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.— 2.Korinther 3,17

Lieber Leser, liebe Leserin unseres Gemeindebriefes.
Wenn ich über Freiheit nachdenke, dann rast mir eine schon betagte Liedstrophe von Westernhagen und andere Dinge durch den Kopf. Freiheit ist eine Grundsehnsucht von uns Menschen, denn überall erleben wir Beschränkung, Grenzen. Wir haben den inneren Drang, dem zu entkommen, frei zu sein. Wir suchen Freiheit im Urlaub, über den Wolken, beim Schnorcheln, auf Balkonien, in Beziehungen usw.
Freiheit ist wichtig für uns, und doch ist sie so verschieden und begrenzt. Reisefreiheit heißt noch nicht, dass ich mein Leben frei gestalten kann, denn da gibt’s noch andere Einschränkungen, die finanzielle Lage z.B. Über den Wolken sind wir auch nicht frei – denn wir sind angewiesen auf Hilfsmittel, mit denen wir fliegen. Und doch haben wir viele Möglichkeiten, unsere Freiheit zu leben und zu gestalten. Ein großes Gut ist dabei auch die Religionsfreiheit, die uns das Grundgesetz hierzulande sichert.
Paulus geht es im Monatsspruch aber gar nicht um die Freiheit, dies oder das zu tun. Es geht um eine Freiheit in einer Beziehung. Jeder Mensch ist auf Beziehung hin angelegt, auch auf die Beziehung zu Gott hin. Doch genau an dieser Stelle erleben wir Unfreiheit, Einschränkungen. Tausende Vorschriften haben die Beziehung zu Gott jahrhundertelang geregelt und tun es auch heute noch. Freiheit ist aber etwas anderes.
Paulus schreibt den Korinthern von einer Freiheit, die immer wieder neu entdeckt wurde, u.a. vor ca. 500 Jahren durch Martin Luther: Es ist der uneingeschränkte freie Zugang zu Gott, den wir durch Jesus Christus haben können. Es braucht keine Reinigungsrituale, keine Speisevorschriften, keine Opferzeremonien, es braucht lediglich ein Herz, das sich diese Begegnung und dieses Leben mit Gott wünscht und wagt. Die Grenzen und Barrieren zu Gott sind überwunden. Jeder Mensch der es will, kann eine Beziehung zu ihm haben. Du musst nicht erst dies und das tun, nicht erst diese oder jene Vorschrift einhalten. Es genügt, wenn Du JA zu Jesus Christus sagst. In ihm sind alle Vorschriften und Gesetze erfüllt. Diese Freiheit ist ein Geschenk Gottes.
Aber: Was ist diese Freiheit genau? Sie ist die Freiheit, keine Barriere zu Gott zu haben und sich vom Alltag und von den Dingen des Lebens nicht mehr in der Beziehung zu Gott und in der Hoffnung einschränken lassen zu müssen.
In aller Unsicherheit und Unfreiheit des Lebens kann ich doch durch die Freiheit, die Gott schenkt, im Glauben festen Halt erleben. Trotz heftigster Erlebnisse muss ich nicht mehr am Groll, an der Bitterkeit, am Schmerz festhalten, sondern kann IHN an Gott abgeben und den Weg der Versöhnung wählen. Und ich brauche keine Maske mehr aufsetzen, weil Gott mich eh durch und durch kennt: Ihm kann ich so begegnen, wie ich bin. Er schenkt mir die Freiheit zum Weinen, zum Lachen, zum Klagen und zur riesigen Freude, zum festen Glauben und zum Durchleben von Zweifeln. IHM kann ich, IHM kannst Du Dein Herz ausschütten – egal in welcher Situation Du dich befindest.
Das, was Gott schenkt, ist die Freiheit, eine gute Beziehung zu IHM zu erleben. Keine Vorschrift, keine menschengemachte Grenze kann das erreichen, was Gottes Liebe schafft: Freiheit im Herzen, Ruhe in der Seele, Freiheit, auch Unfreiheit zu ertragen und Freiheit, gegen Ungerechtigkeit in der Welt aufzustehen.
Viele Menschen schätzen in unserem Land die Freiheit, die sie hier erleben können. Viele die zu uns kommen, bringen Verletzungen, Traumata und vieles andere in ihrer Seele und auf ihrem Herzen mit. Es wäre doch großartig, wenn sie hier nicht nur physische Freiheit, sondern auch die Befreiung und Heilung ihrer verletzten Seele erfahren, einfach dadurch, dass Menschen ihnen tatkräftig und mit ermutigenden Worten die Liebe Gottes weitergeben.
Lasst uns genau das tun: Diese Freiheit weitergeben im Reden und tun, die Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat, aneinander und den Menschen, die Gott uns zur Seite stellt.
Eine gesegnete, fröhliche, von Freiheit geprägte AltweiberSommer-und-goldenerOktober-Zeit wünscht Euch / Ihnen

Ihr / Euer
Pastor Enrico Klee