Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Hiob 19,25

Liebe Leserin, lieber Leser

ACH DU Fröhliche! Wenn ich an die Zeit im November und Dezember zugleich denke, dann schwanke ich zwischen Freude und Bedrückung. Am 9. November kommen diese zwei Pole an einem Tag zusammen: Freude und Leid, Trauer und Hoffnung, Verbrechen und Befreiung. Wir erinnern uns an die schreckliche Reichspogromnacht und an den Mauerfall vor 30 Jahren. An den 9. November 1989 wollen wir uns in diesem Jahr im Gottesdienst am 10. November dankbar erinnern.

Zwischen diesen beiden Polen pendeln wir auch im Leben immer wieder hin und her. Es gibt Tage, an die erinnern wir uns auch noch nach Jahrzehnten: der erste Tag in der Klinik, der erste Kuss, die Geburt der Kinder, die schwere Diagnose, der Unfall, das Verbrechen mit den eigenen Händen, die Trennung der Eltern, das erste Auto uvm. Ich kenne solche Tage auch in meinem persönlichen Leben. Manche haben ein Datum, manche sind nur noch als Situation da. Aber sie prägen mich. Kennst auch Du solche Tage, solche Momente? Wie gehst du mit ihnen um?Novembergrau

Hiob hat schwerste Tage erlebt. Sein Besitz war weg, seine Familie zerstört, seine Freundschaften passé. Er sitzt im Staub und klagt Gott an. Tiefschwarze Nacht umgibt ihn. Er fragt nicht nach dem „Warum?“. Er klagt sein Leid, indem er es beschreibt. Er hält es sich, seinen Freunden und Gott vor Augen. Graue, trübe Novemberwolken türmen sich auf, verschlingen jeden Sonnenstrahl.

Hiob ist voller Trauer. Und doch setzt er mitten in dieses Übel ein kleines Wort: Aber. Das Wort erinnert mich an meine Kinder. Da gibt es Phasen, da kontern sie gefühlt jedes „es ist so und so“ oder „tu dies und das“ mit einem Aber.

Hiob kontert das Leid mit einem Aber. Er ergibt sich nicht hinein. Das Aber findet sich nicht ab, eröffnet eine neue Perspektive. Ihm geht es schlecht, er kann nichts Positives an seiner Situation sehen und sie nicht wenden. Aber er weiß, dass es jemand anderes kann: Sein Erlöser. Da gibt es einen, der ihm die Hoffnung auf die Zukunft nährt. Der ist da, der ist lebendig. Der kann, ja muss helfen. Als Löser ist er dazu vom Gesetz verpflichtet. Dieses Wissen gibt Hiob die Kraft, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wie im Advent kann er mitten im Dunkel der Nacht ein Licht anzünden und seinem Leid, dem „Ach“, eine Hoffnung, ein „Oh du Fröhliche“ entgegenwerfen.

Hiob lädt uns mit seinem Aber ein, dass auch wir nicht beim bösen Tag bleiben. Dieser Tag darf uns nicht beherrschen. Es gilt, immer wieder uns zu erinnern: „Ja, mein Erlöser, er lebt.“ Egal wie dunkel die Nacht ist: Jesus Christus hat jede Nacht durchbrochen. Er, Gottes Sohn, ist in die Finsternis dieser Welt eingedrungen, hat sie besiegt, hat Schuld und Sünde auf sich genommen, sie getragen, sie weggenommen, ein für alle Mal. Nimmst du das vertrauensvoll an, dann gilt es dir: ER, Jesus Christus, ist DEIN Erlöser. Er hat dir ein Licht der Hoffnung im Leben angezündet und er hat in seiner Vollmacht der Finsternis verboten, dir dieses Licht wieder auszupusten.

Was ist, wenn Du gerade kein Aber in deinem Leben brauchst? Es läuft, das Leben gelingt. Was ist dann? Dann setze dennoch das Aber! Und zwar bei denen, die gerade Schweres durchmachen: in deiner Familie, bei deinen Freunden, bei den Geschwistern der Gemeinde. Manchmal können wir das Aber nicht selbst sprechen. Da ist es gut, wenn andere es mit und für uns tun. Du kannst zuhören, mitbeten, tragen, ein Aber sagen: das Licht der Hoffnung neu anzünden.

Das Aber ist heute immer wieder nötig, wenn dunkle Schwaden der Menschenverachtung am gesellschaftlichen und politischen Horizont auftauchen. Lasst uns auch dort zu Aber-Sagern werden und unser Bestes für unsere Mitmenschen und die Schöpfung einsetzen!

NovemberhoffnungGott hat sein Bestes, sein absolutes Aber in Jesus Christus in die Welt gesetzt: an Weihnachten klein und unscheinbar als Kind in der Krippe. Und doch mächtig, herrlich und heilig als Herr und Erlöser. Sein Name steht über allen Namen. Dieses Aber Gottes steht für uns Menschen. Und weil sein Aber gilt, will ich auch immer wieder mein Aber dort setzen, wo es nötig ist. Ich freu mich drauf, mit Euch gemeinsam im November und Dezember davon mehr zu erfahren und Gott für sein Aber zu feiern.

Ihr / Euer Pastor Enrico Klee