Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!
Markus 9,24

Bibeltext:       Markus 9,14-29

Impuls zu Markus 9,24:
Zum Loslassen herausgefordert
Liebe Gemeinde
Erinnerst Du dich noch an die Jahreslosung von diesem Jahr? Es geht um unseren Glauben, um unser Vertrauen auf Gott. Und es geht um das Flehen des Vaters eines kranken Kindes und vielleicht von Dir und mir: „Jesus, hilf mir, zu glauben, Dir zu vertrauen!“ Wie steht‘s um mein Vertrauen in Gott? In diesen Tagen kommt mir diese Frage wieder verstärkt auf: Wie sehr vertraue ich IHM? Trau ich IHM alles zu, auch in der Corona-Zeit und in den anderen Fragen meines Lebens? Vertraue ich mich IHM völlig an – in und vielleicht auch trotz meiner Situation?
Die Situation damals war sehr dynamisch – und ungewiss. So wie heute, so wie gerade aktuell. Der Vater hatte nur noch eine Hoffnung für sein Kind, er hat alles gegeben. Und nun? Nun muss er dieser letzten Hoffnung vertrauen: Jesus. Jesus!! Hilf uns, wenn du kannst!! Er lässt sich auf diesen Strohhalm ein, er vertraut Jesus sein ganzes Herz an und muss selbst    loslassen. Der Vater lässt los, lässt sein Problem, sein Kind in die Hände Jesu los.
Eine gute Sache: Einfach loslassen. Jesus Christus machen lassen. Auch gerade in der Corona-Zeit und den Fragen: Wie geht es weiter, mit Gottesdiensten, mit dem Job, mit der aufgeschobenen OP, mit der Wohnungssuche, mit den Anträgen auf Hilfe usw??
„Lass einfach die Sache in Gottes Hände los!“ Das wäre ein Rat, der wirklich passt. Aber ehrlich: Die Umsetzung ist schwer. Wir lassen nicht gerne los. Wir klammern uns fest, oft genug zu fest.Warum ist das so? Weil wir Menschen gerne die Kontrolle haben. Wo wir loslassen, verlieren wir sie ein Stück weit oder ganz. Da geht uns Sicherheit verloren. Der Vater mit dem kranken Kind gibt die Kontrolle ab, an Jesus. Er gibt das letzte Fünkchen Sicherheit ab, setzt alles auf eine Karte. Er stellt sozusagen den eigenen Motor aus, der fürs Vorwärtskommen und Bremsen enorm wichtig ist. Er dockt sich an das Seil an, das Jesus IHM reicht und ist nun völlig auf Jesus angewiesen.
Es ist wie bei einer Bergbahn. Wir waren letztes Jahr in Heidelberg und vor ein paar Jahren im Thüringer Wald. Dort gibt es jeweils eine Bergbahn, technisch sind es Standseilbahnen.

Es ist schon mulmig. Du kaufst die Karte. Dann wartest du. Dann steigst du ein – in diesen kleinen Wagen, aus Holz oder Blech. Damit sollst du steil nach oben fahren. Du gibst die Kontrolle ab. Deine Sicherheit hängt von nun an am Seil. Das einzige was du noch tun kannst ist: stehen bzw. sitzen bleiben und dem Seil und der Maschine oben in der Bergstation vertrauen, dass alles hält und der Wagen NICHT während der Fahrt abstürzt. Oder du kannst abhauen, bevors losgeht noch aussteigen, selbst laufen bzw. den Weg abbrechen. Nehmen wir an, du fliehst nicht: Dann begibst du dich voll Vertrauen in die Hände der Technik und der Leute, die sie bedienen. Mehr kannst du dann nicht tun. Sie werden den Wagen bewegen, sie haben vor, dich nach oben zu befördern. Vertrauen ist da die einzige Möglichkeit. Allein in so einer Bergbahn ruhig zu bleiben ist manchmal angesichts alter Technik eine kleine Herausforderung. Größer ist sie schon, wenn du in eine OP gehen musst. Sich da völlig hinzugeben, mit ungewissem Ausgang, das ist echt herausfordernd und treibt manchmal den Schweiß auf die Stirn. Aber es ist der einzige Weg, um (wie auch immer) voranzukommen.
Vertrauen. Das ist wirklich schwer. Klappt es? Sollte das gut gehen? Diese Fragen bewegen mich jedes Mal, wenn ich in einer Herausforderung stehe, gewollt oder ungewollt. Unglaube will sich dann breitmachen, Zweifel nagen und der „Pegel“ im Glaubensglas sinkt teilweise rapide. Manchmal erinnere ich mich dann an diese befreiende Erfahrung: Wenn ich Gott genau diese Fragen gesagt habe, meine Zweifel, Sorgen, Not, Angst und was es auch sei (und sei es nur in einem 2-Sekunden-Stoßgebet), dann schenkt er etwas, das keine Sicherheitseinrichtung einer Bergbahn oder eines OP-Saals mir zumindest vollständig geben kann: Frieden. Frieden ins Herz, Frieden und Vertrauen. Ja, es ist Gott selbst, der uns in unseren alltäglichen und besonderen Herausforderungen den Frieden ins Herz schenken kann und will. Er hilft uns, mir und dir, loszulassen, wegzukommen von der Einbahnstraßen-Sicht, dass alles von uns abhängt. Denn das tut es nicht. Wenn ich Gott vertraue, dann docke ich mich an ein Seil an, das wirklich hält und das auch nach Jahren nicht verschleißt. Gerade in den Herausforderungen des Lebens, wo es so sehr auf unser Tun ankommt, ist dies wichtig, was schon Luther und viele andere prägte: Bete und arbeite. Tu das Deine und verlass dich ganz auf Gott! Das heißt konkret: Ich stehe täglich vor Problemen, Fragen oder schlicht meinem ganz normalen Alltag. Das, was ich tun kann, soll ich tun, klar! Doch dabei und aller aller spätestens, wenn mein Latein zuende ist, darf ich aufhören, innerlich sorgenvoll um das Problem unendlich zu kreisen. Ich kann Gott bitten: Hilf mir! Hilf mir Dir zu vertrauen! Nimm mir die Geschäftigkeit, die dich vergisst! Mehre mir den Glauben an Dich! Ich selbst muss mich dann manchmal sogar dazu zwingen, mich ein Stück weit zurückzulehnen. Nur so komme ich dann dazu, Gott wirklich zu vertrauen und nach dem Gebet nicht einfach weiterzutun, als hätte ich nicht gebetet.
Aus der Begegnung des Vaters des kranken Kindes mit Jesus in Markus 9 und aus den Fahrten mit der Bergbahn lerne ich: Ich kann mich in den Herausforderungen meines Lebens auf Gott verlassen und bin von IHM gehalten, wenn ich mich an Sein Seil andocke, IHM die Kontrolle abgebe. Und: ER führt mich zu seinem Ziel, wie auch immer das aussieht.
Es fällt mir trotzdem schwer, zurückzustecken, das Meine zu tun und dann auf Gott zu warten. Gerade im Moment, bei der erneuten Wohnungssuche und der noch deutlichen Unwissenheit, wie es in der Gemeinde mit Gottesdiensten, Veranstaltungen usw. weitergehen wird. Aber ich merke immer wieder: Es lohnt sich wirklich, wenn ich mich auf IHN verlasse, wenn ich mich an Sein Seil andocke und mich an IHN zurücklehne! Denn ich bin in Seiner Hand, in Gottes Hand, geborgen.
Das gilt mir und auch Dir und darauf vertraue fest: Gott steh Dir bei, in dieser Corona-Zeit und in allen Herausforderungen, in denen Du gerade stehst. Lass dich getrost in Seine Hand fallen, glaube, vertraue, er lässt Dich nicht los!
Dein Pastor, Enrico Klee

Lieder zum Thema
Weiß ich den Weg auch nicht
Herr du gibst uns Hoffnung du änderst unser Leben
Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt

Gebet: bete Psalm 86 und Psalm 121

Wann machen wir wieder auf??
Diese Frage bekomme ich öfter in diesen Tagen zu hören. Auch ich frage mich: Wann können wir wieder starten und wie? Es macht sich einige Verwirrung breit. In den Medien wird viel verkündet. Halbgare Informationen drängen an die Oberfläche oder unterschiedliche Regelungen verunsichern uns. Im Leitungskreis haben wir uns in der letzten Sitzung am 22. April per Videokonferenz dazu geeinigt, dass wir erst eine richtige Entscheidung treffen, wenn ein klares Signal von den Behörden kommt, was wir wie dürfen und was nicht. Diese Entscheidungen sind von der Bundesregierung und von unserem Bund (BEFG) für Anfang Mai angekündigt. So wollen wir also in der nächsten Videokonferenz im Leitungskreis am 06. Mai nach der dann geltenden Lage eine Entscheidung treffen. Bis dahin können bei uns weiterhin keine Veranstaltungen stattfinden. Wir sind uns im Klaren, dass auch danach unsere Veranstaltungen nur mit Einschränkungen und unter besonderer Berücksichtigung der Hygienevorgaben möglich sein werden. Wie genau, das muss sich in den nächsten Tagen zeigen. Bis dahin bleiben wir so verbunden, wie wir es in den letzten Wochen waren: über die SamstagsPost, über Anrufe, Postkarten und kleine Aufmerksamkeiten. Herzlichen Dank für Euer Verständnis und Eure Mühen und Kreativität dabei!!

Corona-Zeit: Gutes und Schlechtes
In meinen Gesprächen kam in der letzten Woche immer mal wieder zur Sprache, was gut und auch was nicht so gut an dieser Zeit ist. Positiv finden die Geschwister z.B., dass der Kontakt dennoch da ist, über Telefon und die sozialen Medien. Die Gebetskette und die SamstagsPost sind gute Wege, miteinander verbunden zu sein. Gut ist, dass die Menschen insgesamt rücksichtsvoller, freundlicher, langsamer und hilfsbereiter sind und dass es ruhiger geworden ist, d.h. dass es weniger Termine gibt. Nicht gut ist die Ungewissheit, wann wir wieder öffnen können und auch, dass wir aufgrund der Kontaktbeschränkungen einander nicht sehen können. Auch das gemeinsame Mittagessen fehlt.
Was findet Ihr gut an dieser Zeit? Zum Beispiel im Blick auf unsere Gemeinde, unsere Gemeinschaft, das Miteinander, die Techniknutzung usw.? Schreibt oder sagt mir gerne ein bis drei Punkte, die gut sind, die wir auf jeden Fall beibehalten oder die wir sogar noch ausbauen sollten. Und was findet Ihr nicht gut, was fehlt Euch im Moment? Auch dazu schreibt oder sagt mir gerne ein paar Punkte.
Ich freue mich weiter auf Eure Gedanken! Vielleicht kann ich davon wieder in der nächsten Samstags-Post berichten.

Grüße und Segenswort
Allen von Euch wünsche ich eine gesegnete und behütete Woche! Gott sei bei Euch! Im Herrn verbunden herzliche Grüße, auch im Namen des Leitungskreises!Euer Pastor Enrico Klee

Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns. Ja, das Werk unserer Hände wollest du fördern!   Amen.    Psalm 90,17