Das Pfingstfest steht vor der Tür. Die Gemeinde Jesu feiert Geburtstag, auch wir. In diesem Jahr ist das Fest aber etwas anders. Wir feiern so, wie einige von uns ihren Geburtstag in den letzten Wochen auch gefeiert haben: Im kleinen Kreis, mit Abstand und dennoch oder gerade deshalb mit viel viel Herz. An Pfingsten geht es um unser Herz und um unsere Gemeinde-Familie. Gottes Heiliger Geist hat die Herzen der Christen damals zueinander und zu den Menschen hin bewegt, die Jesus noch nicht kannten. Er bewegt uns heute noch genauso. Im Kleinen werden wir zusammen sein. Viele kleine Gruppen in den Häusern hier und da, so war das damals – und so ist es heute auch fast wieder. Das macht das diesjährige Pfingstfest auch so besonders, finde ich. Um dieses besondere Pfingstfest, um die Gemeindefamilie, um unsere Beziehung zu Jesus Christus und zueinander, darum geht es in dieser Ausgabe der SamstagsPost. Ich wünsche gute Impulse beim Lesen und grüße Euch herzlich Euer Enrico Klee

Jesus Christus sagt: Wer meine Gebote kennt und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Und wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden. Und ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben.
Johannes 14,21

Bibeltext:       Johannes 14,15-27

Gedanken zu Johannes 14,15-27:

Es ist eine seltsame Verknüpfung. Jesus spricht von Liebe und im gleichen Atemzug spricht er von seinen Geboten. Liebe und Gebote, passt das zusammen? Auf den ersten Blick ist das etwas quer. Aber Jesus sagt hier: Ja. Sie passen zusammen und sie gehören sogar zusammen. Doch nicht immer ist das sofort offensichtlich. Darum nutzt Jesus seine Abschiedsreden im Obersaal in Jerusalem nach der Fußwaschung für eine deutliche Erklärung: Liebe und Gebote – beides gehört zusammen. Liebe – das ist das Band in Beziehungen. Ohne sie geht es nicht. Keine Freundschaft, keine Familie funktioniert auf Dauer ohne Liebe. Doch was ist diese Liebe, dieses Band? Wenn ich in meine Familie schaue: Woran erkenne ich die Liebe in meiner Familie? In freundlichen Worten erkenne ich sie. Ich sehe sie im Bemühen, einander nicht zu verletzen, in Vergebungsbereitschaft, am gelebten Zusammenhalt (so wie es eben geht), am Miteinander, am sich einander zuwenden und aufeinander einstellen. Ich erkenne die Liebe an Worten UND Taten. Es sollten immer wieder Worte und Taten füreinander sein, die wegblicken von sich selbst und das Wohl des anderen im Blick haben. Zugegeben: das ist sehr romantisch und idealistisch gesagt. Egoismus spielt in unseren Beziehungen denke ich eine durchaus größere Rolle, als wir vielleicht manchmal so meinen. Dieses Ideal der zuvorkommenden, von sich selbst wegsehenden Liebe nimmt Jesus aber dennoch ganz bewusst in den Blick. Es ist das Ziel, oder sollte es zumindest sein in jeder Beziehung. Auch in der Beziehung zu Gott. Wie komme ich darauf? Nun, diese Liebe wird im griechischen mit „Agape“ bezeichnet. Und allein in Vers 21 kommt dieses Wort in seinen Facetten 4-mal vor. Es ist Jesus enorm wichtig. Es geht um die Liebe. Es geht Jesus um eine ganz spezielle Beziehung, die von dieser Liebe geprägt und durchdrungen ist: Es geht um die Beziehung zwischen ihm und uns, denen, die Jesus nachfolgen, IHN kennenlernen (wollen) und IHM folgen (möchten). Jesus macht uns die selbstlose Liebe vor: Er kommt in die Welt, geht für uns ans Kreuz, trägt unsere Schuld, schenkt uns das Leben, überbrückt den Graben zwischen Gott und uns. Wir können und sollen IHM folgen. Wie geht das am Besten? Dazu gibt uns Jesus allein in Kapitel 14 dreimal eine deutliche Antwort: In Vers 15, 21 und 23 spricht er von der Liebe und von seinen Geboten. Er sagt: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. (V. 21)
Liebe und das sich Halten an Gebote hängen also zusammen. Wie das? Auch hier hilft der Blick in die Familie: Jede Familie lebt von Liebe und von gemeinsamen Regeln. Ohne Vereinbarungen, Lebensregeln funktioniert Familie nicht. Diese Regeln können vielfältig sein. Jede Familie ist da sehr individuell. Klassisch beginnt es bei einfachen Tischregeln, wie: „Wir bleiben sitzen, bis der letzte am Tisch aufgegessen hat“, „wir fangen gemeinsam an“ oder Regeln, die das Zusammenleben erleichtern: „Wir sprechen Termine ab“. Bis hin zu Regeln, Geboten, ja freiwillig eingegangenen Gesetzen, die ein Vertrauen in einer Liebesbeziehung erst ermöglichen: Wir versprechen uns die Treue – und halten uns daran! Dieses Versprechen wird zum Gebot, zum Gesetz, das uns nicht etwa einengt, sondern im Gegenteil: das uns freisetzt einander völlig zu vertrauen. Doch es hat nur dann einen Wert und fördert die Liebe, wenn wir es auch umsetzen. Ohne das geht es nicht. Gebrochene Regeln untergraben die Liebe, die Familie, die Beziehung. Wer sich nicht an die gemeinsamen Vereinbarungen hält, der beschädigt die Beziehung, der zerstört auf Dauer das Vertrauen zueinander. Hierauf spielt Jesus an. Es ist etwas völlig aus der Familienwelt Bekanntes. In Großfamilien wird das noch deutlicher als in unserer hiesigen kleinfamiliären Struktur. Damals wie heute ist es in vielen Kulturen eine Frage der Ehre, dass man sich an Familienregeln hält. So gehört man dazu. Wer sie bricht, begibt sich selbst vollen Wissens aus der Familie heraus.Es geht also auch in der Beziehung zu Gott nicht ohne das Halten von Vereinbarungen, Geboten. Doch was sind „Seine Gebote“, auf die Jesus hier anspielt? In Johannes 13,31-35 lesen wir sein Gebot: einander lieben! Die Bergpredigt in Matthäus 5-6 und das höchste Gebot in Lukas 10,27 machen deutlich, worum es Jesus im Kern geht.Wenn ich diese Gebote so lese und versuche umzusetzen: Ganz ehrlich, da bin ich platt. Ich kenne mich einigermaßen. Ich kenne auch meinen Egoismus. Ich weiß: Das schaffe ich niemals! Doch das Gute ist: Gott weiß genau das. Er weiß, dass ich als Mensch es nicht schaffe, mich an seine Gebote völlig und vollständig zu halten und selbst bei einfachen Dingen versage.Es gibt aber noch ein Problem – zumindest bei mir: Im Alltag rutscht mir das eine oder andere der Gebote Gottes auch mal weg. Gerade in Stress-Situationen merke ich manchmal: Das mit der Liebe, das geht mir gerade völlig ab. Ich brauche dann eine Erinnerung daran, einen Wink mit dem Zaunpfahl. Die Jünger hatten es gut, oder? Sie waren mit Jesus unterwegs und wenn’s schwierig wurde, dann war Jesus zur Stelle und hat ihnen „den Kopf gewaschen“. Also: sie an die „Familien-Regeln“ erinnert, zum Vertrauen ermutigt, ihnen gezeigt, worauf es wirklich ankommt. Nun ist Jesus wieder bei Gott im Himmel. Und seine Jünger, und wir, und ich? Sind wir auf uns allein gestellt? Nein! Jesus weiß doch um uns. Darum verspricht er den Jüngern in V. 16-17.26 den Beistand, den Heiligen Geist, der diesen „Job“ übernimmt. An Pfingsten hat Gott dieses Versprechen wahrgemacht. Der Heilige Geist wurde auf die Jünger ausgegossen. Er lehrt uns und erinnert uns an das, was Jesus uns sagte, was wir von IHM gelernt haben. Er steht uns bei und tröstet uns. Er erinnert uns daran, dass wir immer zu Jesus kommen können, auch wenn wir versagt haben. Er zeigt uns: Es gibt die Möglichkeit der Vergebung und des Neuanfangs bei Gott, jederzeit, solange wir leben.Gott bringt sich so durch seinen Heiligen Geist uns immer wieder ins Gedächtnis. C.S. Lewis verarbeitet diese Art Gottes im Buch „Der König von Narnia“ z.B. in der Szene, als Lucy beim Faun Tumnus zu Gast ist. Gott erinnert uns, lehrt uns, steht uns bei, ist uns Ermahnung und Trost – auch in schwerster Not.Wenn Du Jesus vertraust, dann gehörst Du zur Familie Gottes. Wenn Du so zur Familie Gottes gehörst, dann ist es doch klar, dass Du zumindest versuchst, Jesu Regeln zu halten, oder? Auch wenn das nicht immer oder auch nur selten wirklich klappt. Keine Angst! Du bist dann in bester Gesellschaft: auch Paulus hatte da seine liebe Not. Jesus verspricht Dir: Wenn Du Dich an seine Gebote hältst, erfährst Du seine Liebe, ist Gott Dir ganz nah. Jesus offenbart sich Dir, Du erlebst diesen Tröster Gottes auf Gottes Weise. Du wirst an Gottes Liebe so nicht nur erinnert werden, sondern wenn nötig sie auch ganz plastisch erleben. Das verspricht Jesus seinen Jüngern und uns und Dir und mir in fast jedem Vers dieses Textes. (V. 16.17.18.19.20.21.23.26.27). Es ist ihm also so wichtig, dass wir das sehen, glauben, IHM vertrauen. Und das können wir. Es sind KEINE Phrasen, sondern Realität, von der viele von uns auch heute erzählen können. Gott ist bei Dir durch seinen Heiligen Geist! Bleib IHM treu in Wort und Tat! Halte Dich an Seine Gebote! Das ist der beste Ausdruck, wie du IHM zeigen kannst, dass Du ihn liebst. Er wird dann bei Dir bleiben und sich Dir offenbaren wo immer es nötig ist. Denn: Wer IHN liebt, der gehört auf jeden Fall zur Familie Gottes!                  
Dein Pastor Enrico Klee

Lieder zum Thema
Die Gott lieben werden sein wie die Sonne
Wir sind eins
Wir sind das Haus des Herrn
Zieh ein zu deinen Toren

Gebet: bete Psalm 104

Vertiefung zu Pfingsten:
Hier findest du ein Video, das einen kurzen Überblick über den Heiligen Geist gibt: https://dasbibelprojekt.de/videos/heiliger-geist/

Die Verheißung der Ausgießung des Heiligen Geistes findest du in Joel 3,1-2

Das Pfingstereignis kannst du hier nachlesen: Apostelgeschichte 2

Grüße und Segenswort
Ich wünsche Euch ein von Gott gesegnetes Pfingstfest! Herzliche Grüße vom gesamten Leitungskreis.
Euer Pastor Enrico Klee

Der HERR segne dich und beschütze dich! Der HERR blicke dich freundlich an und sei dir gnädig! Der HERR schaue liebend auf dich und gebe dir Frieden! Amen.
           
4. Mose 6, 24-26