Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
2.Mose (Exodus) 20,3

Bibeltext:       2. Mose 20,2-6 und 1.Korinther 8,4-6

Gedanken zu 2.Mose 20,3-6
Liebe Gemeinde
Also doch! In der letzten SamstagsPost ging es um den Anfang der 10 Gebote. Kein „Du sollst“ war da zu lesen. Doch nun geht Gott in die „Vollen“ und der hebräische Text beginnt mit dem kleinen Wörtchen Lo (nicht). Dazu kommt dann ein Wort in einer Form, die einerseits ein Verbot ausdrückt, andererseits aber auch von der Gegenwart in die Zukunft blickt. Heraus kommt „du sollst nicht“ und gleichzeitig auch „du wirst nicht“. Wenn Gott mein Gott ist, der mich aus der Enge meines Ägyptens in die Weite führt (V.2), dann soll ich nicht dieses und jenes tun und ich werde es auch nicht tun. Es ist ein Gebot in meiner Beziehung zu Gott und eine Folge aus dieser Beziehung zugleich.
Gott nutzt in seiner Ausführung des Gebots einige Worte: niederwerfen, dienen, Eifersucht, lieben, hassen, heimsuchen, Gnade erweisen. Alle diese Worte drücken in irgendeiner Form Beziehung aus. Es geht in diesem Gebot und auch in allen anderen Geboten nicht um bloßes, stumpfes und stures Einhalten irgendwelcher Regeln um der Regeln willen. Wenn uns das so vorkommt, dann liegt das nicht an Gott, sondern an uns Menschen. Weil wir Regeln nicht selten vom Sinn ablösen und sie um ihrer selbst willen halten bzw. darum ihre Einhaltung erzwingen wollen. Das kritisiert schon Jesus, als er das Sabbatgebot übertritt und dafür angegriffen wird (Vgl. Luk. 6). Es geht Gott um viel mehr, als nur um Regeln. Es geht ihm um die Beziehung zwischen ihm und uns. Diese Beziehung ist seit fast Anfang an völlig fragil, zerbrechlich und oft genug auch tatsächlich zerbrochen.  Weil ihm die Beziehung zu seinem Volk, zu uns Menschen aber so wichtig ist, macht er von vornherein in den Geboten klar, wer er ist und was wir im Grundsatz tun können und sollen. Der Grundsatz heißt: Habe keine anderen Götter neben Gott! Wenn Gott den Platz in Deinem und meinem Leben einnimmt, der IHM zusteht, dann ist da kein Platz mehr übrig. Es geht dann um uns ganz (Vgl. 5.Mose 6,5 und Lk 10,27). Das ist wie mit einem Zweier-Sofa. Da passen zwei Leute drauf, aber nicht drei oder dreißig. Wenn ich jedoch auf das Sofa mir noch jemand Anderen dazu hole, dann wird es zu eng. Gott zieht die Konsequenz. Er ist ein Gott, der meine und Deine Entscheidung respektiert und niemanden zwanghaft festhält. So ist Liebe nunmal. Er wird dann aufstehen und gehen.
Mal ehrlich: Wer will schon, dass der lebendige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde aufsteht und geht? Wahrscheinlich keiner. Wozu also das Gebot? Weil unser Herz umstritten ist. Und es ist umstritten, weil wir Gott nicht in der Hand haben, ihn aber gerne da hätten. Die Geschichte zeigt es: Selbst am Berg Sinai, wo das Volk die Gebote frisch bekam, passierte etwas, das sich wie ein roter Faden durch die Zeit davor und danach zieht: Wir Menschen verlieren die Geduld mit Gott und werden abgelenkt und basteln uns unsere Götter, die wir sehen und „in der Hand haben“ können. Das ist meist keine böse Absicht. Es passiert. Weil Gott ein Gott ist, der sich offenbart, den wir nicht in der Hand haben. Um das Volk Israel herum hatten die Menschen aber ihre Götter in einer bestimmten Art und Weise „in der Hand“. Sie waren von ihnen abhängig und konnten sie gnädig stimmen – durch Opfer z.B., die sie vor Abbildern darbrachten. Israel hatte das nicht. Die Israeliten mussten sich einzig auf die Offenbarung ihres Gottes verlassen, ihm treu bleiben und in seinen Ordnungen leben, auch wenn er lange Zeit nichts von sich hören ließ. Was sie hatten, waren anfangs mündliche und später immer mehr schriftliche Überlieferungen. An die mussten sie sich besonders in offenbarungsarmen Zeiten klammern. Das war und ist bis heute nicht immer einfach. Gott offenbart sich eben dann, wann er will, nicht wann wir Menschen es wollen.
Wenn das Herz also gefühlt leerer wurde, die Erinnerungen an Gottes große Taten verblassten und man selbst im Leben gut ohne diesen Gott zurechtkam oder das Gras auf der Wiese anderer Götter grüner funkelte, dann wurde und wird das eigene Herz eben mit anderem gefüllt. Stück für Stück, mal radikal, mal schleichend entfernt sich das Herz von Gott und an seine Stelle treten andere Dinge. Der eigene Erfolg, die glorreiche Vergangenheit, die Schuld der Familie, das Können oder Versagen, Macht oder Ohnmacht, Streit oder Frieden, Besitz oder Armut, Arbeit oder Freizeit …. All das macht Gott seinen Platz streitig, steht ihm „ins Angesicht“ (so eine Übersetzungsmöglichkeit des „neben mir“ aus V.3). All das fängt harmlos an und schleicht sich ins Leben wie ein Efeu, der kriecht und immer stärker Raum nimmt, bis er am Ende alles überwuchert.
Moment! Es geht hier nicht um Dinge oder Menschen, für die wir eine Leidenschaft besitzen. Familie, Partner, Hobby, Beruf, Lebenseinstellung usw. sind grundsätzlich an sich gute Dinge und Teil unseres Lebens. Doch wenn sie Gott seinen Platz streitig machen, uns so beeinflussen, dass wir völlig abhängig von ihnen sind und sie das letzte Wort in unserem Leben haben, dann sind sie Götzen. Martin Luther sagte dazu sinngemäß: „Woran Du dein Herz hängst, das ist in Wahrheit dein Gott!“ Wovon mein Herz abhängig ist, das macht Gott seinen Platz streitig. Das kann meine Vergangenheit sein oder eine ferne Zukunft, das können Menschen sein, Dinge usw. Entlarven wir sie als zu mächtig, dann müssen wir uns von ihnen trennen bzw. sie deutlich und mit aller Konsequenz auf den Platz verweisen, der ihnen zusteht. Das ist schon sehr radikal. Doch ich denke und habe es selbst erlebt: Radikale Schritte sind ab und an nötig, um die eigene Beziehung zu Gott ins Reine zu bringen. Es brauchte im Grundsatz den radikalen Weg Jesu, es brauchte seinen Tod am Kreuz, es brauchte die Durchbrechung des Todes: Jesu Auferstehung. Das hat Gott für UNS getan. Wenn meiner Beziehung zu Gott heute etwas im Weg steht, dann ist für mich die Neu-Ordnung dieser Beziehung dran. Nicht immer heißt es dann: völlig wegtun! Doch immer bedeutet es radikal: eine neue Platzzuweisung im Leben. Sozusagen: Den Thron des eigenen Lebens leer machen, damit er für den frei ist, der eigentlich darauf sitzen sollte: Unser Gott, mein Gott, der mich, der Dich aus der Enge, aus Ägypten geführt hat.
Dass Gott – im Bild gesprochen – auf dem Thron unseres Lebens sitzt, ist ein lebenslanger Prozess. Immer wieder wollen und werden andere Dinge diesen Thron streitig machen oder zeitweise besetzen. Darum ist es wichtig, dass wir uns täglich neu Gott aussetzen. Bibellesen, beten, Gemeinschaft miteinander als Christen suchen und gestalten (soweit es eben geht), das sind die Wege, die uns immer wieder auf IHN orientieren und unseren Blick schärfen. So lernen wir zu sehen, wer im Moment auf dem Thron unseres Lebens sitzt und wo wir was zu ordnen haben.
Schau nun einmal hin: Was siehst du? Wer sitzt heute auf dem Thron Deines Lebens? Wer bestimmt Dich? An wem oder was hängt Dein Herz?
Wenn Du darüber nachdenkst und erkennst, dass da jemand anderes als Gott ganz oder teilweise sitzt, dann ordne die „Sitzordnung“ neu und gib Gott (wieder neu) diesen obersten Platz in Deinem Leben. Ordnest Du Dein Leben dann nicht, dann verzieht Gott sich, weil der Platz nur für einen reicht (vgl. Mt 6,24). Die Folgen können wir massenweise in der Bibel im Alten und Neuen Testament lesen – und auch die restliche Menschheitsgeschichte ist angefüllt damit. Auch meine eigene Geschichte kennt diese Folgen und vielleicht auch Deine. Gott eifert um unser Herz. Er liebt uns, darum ist er dann so streng und darum zieht er sich zurück, wenn wir andere Wege gehen. Doch er tut es nicht aus Hass oder Egoismus, sondern weil er möchte, dass wir Menschen zu IHM zurückkehren.
Wenn wir das tun, dann merken wir etwas, was im Lied „Du stillst die Sehnsucht in mir, mein Verlangen“ (Daniel Denecke, Terry Butler, Ute Spengler) ausgedrückt ist: Gott stillt unsere tiefste Sehnsucht. Er erfüllt unser Herz mit Frieden so tief, dass wir nichts Anderem mehr hinterherrennen müssen und wollen. Am Ende einer solchen „Umkehr“ steht darum oft die Erfahrung: Gott reicht völlig aus. Es reicht aus, dass er auf dem Sofa neben mir sitzt, auf dem Thron meines Lebens Platz hat, in meinem Leben das letzte Wort hat. Es braucht nichts Anderes mehr.
Daraus ergibt sich, was in der Bibel, in den Psalmen, in den Thronvisionen und überall geschildert ist und was Johann Sebastian Bach unter bzw. über jedes seiner Werke schrieb: Das Lob Gottes: Soli deo gloria! (Allein Gott die Ehre!) Darum geht es, auch in diesem Gebot: Dass wir Menschen, Du und ich Gott ungeteilt die Ehre geben. Denn er sagt Dir und mir: Ich bin Dein Gott, vertraue mir! Häng Dich ganz an mich! Ich füll Deine Sehnsucht aus.
Habe also immer wieder den Mut und den Willen, Gott den Platz freizuräumen, wann immer ER Dir deutlich macht, dass jemand oder etwas Anderes drauf sitzt. Es lohnt sich, denn Gott allein ist genug, Er füllt Dein Herz völlig aus.
Euer / Dein Enrico Klee

Lieder zum Thema
Sehnsucht nach dir (Du stillst die Sehnsucht in mir)
Jesus Du allein bist genug
Wohl denen die da wandeln

Gebet: bete Psalm 135

Informationen zu Gottesdiensten, Gebet und weitere Online-Angeboten
Herzliche Einladung zur persönlichen stillen Andacht in der Kreuzkirche. Unsere Kirche ist sonntags von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Um 17.45 Uhr gibt es eine kleine Andacht, die diese Zeit abschließt. Wenn ihr die Zeit in Anspruch nehmt, seid miteinander so umsichtig und haltet die bekannten Hygienebestimmungen.

Zudem laden wir weiter zum gemeinsamen Gebet ein: Jeden Sonntag um 11.30 Uhr wollen wir bewusst aneinander denken und miteinander in unseren Häusern füreinander beten!

In der Kreuzkirche ist nichts los? Von wegen!
Liebe Geschwister
In diesen besonderen Zeiten ist kaum etwas in unserer Kreuzkirche los. Diese Zeit lassen wir aber nicht untätig verstreichen. Neben den normalen Pflegearbeiten wurden und werden zurzeit besondere Arbeiten um`s und im Gemeindehaus durchgeführt.

Vom Haus- und Hof-Team haben Olaf Miska, Rudi Klein und Detlef Unruh die etwas ruhige Zeit genutzt und in den letzten Wochen schon den Gehweg zum Parkplatz beim Jobcenter (ehem. Sänger-Gebäude) in Ordnung gebracht, eine Schaukel am Spielplatz aufgestellt und seit diesem Freitag ist das Wendeltreppenhaus dran.

Es wird saniert und renoviert.
Herzlichen Dank an das Team und letztendlich allen anderen, die tatkräftig dafür sorgen, dass unsere Kreuzkirche „in Schuss“ bleibt.
Enrico Klee

Grüße und Segenswort
Gott segne und begleite Euch in der neuen Woche. Er schütze Euch an Geist, Seele und Leib!
Seid herzlich gegrüßt von mir und vom gesamten Leitungskreis
Euer Pastor Enrico Klee

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. (Philipper 4,7)