Gott sagt über sein Wort:
Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.
Aus Jesaja 55,11

Bibeltext:       Lies Jesaja 55,6-13

Bild: E. Klee

Liebe Gemeinde
Wir haben leider keinen grünen Daumen. Lange Zeit hatten wir in Mennighüffen eine Gerbera auf dem Fensterbrett stehen. Immer mal wieder machte sie einen erbarmungswürdigen Eindruck, es war wirklich schade um sie. Sie fiel immer wieder trocken. Oft haben wir dann gedacht: Komm, noch ein Versuch. Wir gießen sie ein letztes Mal. Spannend war dann zu sehen, dass sie sich wieder erholte, langsam aber stetig. Ihre Blätter wurden straff, der Blütenkopf erhob sich, die Farbe kehrte in die Blattspitzen zurück. Das ging mehrfach so. Diese Blume musste bei uns ganz schön was aushalten. Besser wäre es natürlich gewesen, wir hätten sie regelmäßig gegossen. So wäre sie stark und nähme auch keinen großen Schaden, wenn mal ein Flummi unserer Kinder gegen ihren Topf knallt.
An diese Begebenheiten bin ich bei Jesaja 55,10-11 erinnert worden. Zwischen Gott und uns ist es ganz ähnlich – und doch ein bisschen anders.

Gott gießt, sorgt für Wasser
Es heißt, dass Gott sein Wort gibt, wie Wasser vom Himmel fällt. Er offenbart sich, er gibt uns sein Wort. Von ihm lesen wir in der Bibel. Er schenkt Worte des Lebens – so sagen es einmal seine Jünger. Gott ist also keiner derjenigen Götter, die nur stumm auf die Zuwendung ihrer Anhänger warten. Er selbst zeigt sich, macht sich bemerkbar, kommt uns Menschen in Seinem Wort entgegen, ja wird Mensch in Jesus Christus. Beim Bibellesen und Beten, beim Leben im Alltag ist es möglich, auf IHN aufmerksam zu werden.
Kennst du das? Da liest du eine Bibel-Stelle, immer und immer wieder und irgendwie scheint das Wasser an dir vorbeizufließen. Die Sätze sagen dir wenig. Und dann, einmal, unerwartet: du liest wiedermal diese Worte und erkennst, was sie bedeuten, was du umsetzen musst, wie es z.B. gehen kann, deine Eltern zu ehren, jetzt, wo sie vielleicht hoch betagt sind, oder wie du deine Gaben einbringen kannst oder was es heißt und bedeuten kann, still vor Gott zu werden. Ich erlebe solche Momente immer wieder. Daran erkenne ich Gottes Art: Er offenbart mir die Dinge, die ich brauche, zur rechten Zeit und zu Seiner Zeit. Er begießt mich sozusagen dann, wenn er es für nötig erachtet und wann ich es auch verkrafte.

Gottes Wort wirkt – Nachgießen erforderlich
Gott beschreibt durch Jesaja, was der Regen so anstellt. Er fällt nicht etwa vom Himmel und rutscht dann wie ein Bumerang wieder in die Wolke zurück. Nein, er fällt, durchfeuchtet die Erde, sorgt für Nahrung für die Pflanzen, die wiederum uns Menschen ernähren. Regen ist nicht umsonst, sondern führt seine Bestimmung aus. Nebenbei: Diese Funktion des Regens war besonders in Israel dringend benötigt, gab und gibt es doch im Jahr nur zwei große Regenzeiten: den Frühjahrs- und den Spätjahresregen. Zu dieser Zeit wird das Land mit Feuchtigkeit versorgt – jeder Tropfen ist also sehr wertvoll.
Mit Gottes Wort ist es ähnlich: Gott offenbart sich uns: durchs Bibellesen, im Gebet, im Gespräch mit Mitmenschen, durch Träume usw.. Gott hat da seine Weise. Was er uns deutlich machen will: Sein Wort wird ausrichten, wozu er es sendet. Es wird Frucht bringen. Das entlastet mich. Ich muss mich nicht auf den Kopf stellen, anstrengen, an der kleinen Pflanze ziehen, die Gott mir ins Herz gepflanzt hat, sondern darf zusehen wie sie wächst und gedeiht und Frucht bringt.
Frucht – das kann z.B. das sein, was wir in 2. Mose 20 und in Galater 5 lesen oder auch das, was in Matthäus 5-7 und in Matthäus 25 deutlich wird: Salz der Erde sein, einander barmherzig begegnen, Gottes Gebote halten, Gott zuerst ehren… Das ist Frucht die entsteht, wenn Gottes Wort in unser Herz kommt, aufgenommen wird und wirkt.
Unser Job ist, das mit Gottes Wort zu tun, was auch die Pflanze mit dem Regen tut: es aufnehmen – immer wieder uns dem Wort Gottes aussetzen. D.h. regelmäßig Bibellesen, Stille Zeit als wertvolle Zeit am Tag einplanen, Gebet – zuhause oder beim Spaziergang – einplanen. Das ist so lebenswichtig, wie das regelmäßige Gießen für die Pflanze lebenswichtig ist.

Was tun mit trockenen Stellen?
Nun kann es sein: An der einen Stelle deines Lebens gibt es schon Frucht, aber es gibt noch „trockene“ Stellen. Anders als die Pflanzen den Regen, nehmen wir Gottes Wort unterschiedlich auf. In einem Bereich trifft es auf fruchtbaren Grund, da „blühen“ wir und bringen Frucht und in anderen Bereichen verändert sich nichts, ist es wie Ton oder Granit, auf dem das Wasser von Gottes Wort wirkungslos dahinfließt. Schau doch mal den vierfachen Ackerboden in Mt. 13 an: Hat dein Herz vielleicht unterschiedlich harte Stellen? Wo erkennst du welche?
Es kann also sein: du gewinnst an Freundlichkeit. Deine Nachbarn oder Freunde merken: die ist so ganz anders geworden. Trotz deiner Umstände wirst du fröhlicher, weil du dich Gottes Wort aussetzt und z.B. mehr auf das schaust, was Gott dir an Gutem schenkt und dir die Beziehung zu IHM gut tut. Andererseits schaust du noch immer voller Neid auf deinen Bekannten. Vielleicht wehrst du dich gegen den Neid, aber er frisst an dir, wie eine gefräßige Raupe, die du nicht loswirst. Das ist so eine trockene Stelle. Vielleicht ist es bei dir auch eine Andere. Aber was machst du? Es heißt ja: Gottes Wort kehrt nicht leer zurück – und du siehst absolut keine Besserung. Zunächst einmal: Bitte Gott um Hilfe. Denn er sagt durch Jesus: Wer bittet, dem wird gegeben. Wer sucht, der wird finden. (vgl. Mt 7,7-8 und Parallelen) Vertrau dich anderen Menschen an – und bitte sie um Hilfe, z.B. indem sie mit für dich beten und dir beistehen. Mir hat das einmal geholfen, dass ich bei einer Sache jemanden anrufen konnte, immer und immer wieder. Dabei habe ich Ermutigung und Trost erfahren und konnte so Stück für Stück aus dieser Sache rauskommen.
Auch die Beschäftigung mit Gottes Wort ist ein guter Weg: Schau z.B. nach: Was steht denn in der Bibel über Neid oder … (hier kannst du deine trockene Stelle einsetzen). Dazu hilft dir vielleicht auch ein Bibellexikon oder eine Konkordanz. Auf diesem Weg wirst du erfahren, wie Gott über diese Sache denkt, also z.B. über Neid. Und du bekommst Hinweise, was du dagegen unternehmen kannst, z.B. in dem Du bewusst und verstärkt Gott und deinen Mitmenschen dafür dankst, was du hast. Somit bekommt der Neid den Platz, der ihm gebührt: nämlich keinen mehr, weil der Dank dein Herz erfüllt.
Also heißt das: sich Gottes Wort aussetzen, mal beten, und der Neid verfliegt oder dein anderes Problem!? Ich glaube, so einfach ist es im Regelfall nicht. Es kann sein, dass Gott dir genau diese Erfahrung schenkt, aber oft geschieht es so, wie bei einer Pflanze. Was passiert denn, wenn ich sie gegossen habe, z.B. meine trockene Gerbera? Nun, im ersten Moment passiert gar nichts. Das Wasser sickert ein, ggf. sogar durch die Erde durch. Erst nach und nach nimmt die Gerbera das Wasser im Topf auf und langsam wird sie kräftiger und auch wieder grüner. Das habe ich eben angedeutet, als ich von meiner Erfahrung geschrieben habe. Gott gießt sein Wort in unser Herz, und es braucht eine Weile bis es sichtbare Frucht trägt. Aber vertraue: es wird wirken, das hat Gott versprochen, indem er sagt: es wird ausrichten, wozu ich es sende. (V. 11)
Nun könnte noch die Frage kommen: Was ist aber, wenn ich meinem Nachbarn auch dieses Lebenswasser Gottes wünsche (insgesamt und vielleicht für einen bestimmten Bereich seines Lebens)? Was kann ich tun? Nun: Ich kann Gott darum bitten, dass Er sein Wort meinem Nachbarn schenkt. Ich selbst kann anfangen, eine Beziehung zum Nachbarn aufzubauen. Nicht weil ich etwas will, sondern weil ich an ihm interessiert bin und ihm auch eine Beziehung zu Gott wünsche. Trost, Beistand, miteinander lachen und weinen – all das kann auch so ein Wassertropfen sein, der aus Gottes Wort kommt, der sich stetig Bahn bricht. Dann kann ich zusehen, was Gott tut. Dass er etwas tut, daran habe ich keinen Zweifel, denn Er verspricht es ja.

Vertrauen: Gott wird wirken.
Gott gibt uns sein wunderbares Wort – und wir können es aufnehmen, wie eine Pflanze den Regen aufnimmt. Ich wünsche Dir und uns, dass es zu seinem Ziel kommt, bewirkt wozu Gott es gesandt hat. Setz dich Gottes Wort aus, vertraue Gott und lass es in dir wirken, immer wieder. Gott hat es versprochen: Es wird sein Ziel ganz bestimmt nicht verfehlen.                     Dein / Euer Pastor Enrico Klee

Lieder zum Thema:
rot = Gemeindelieder / grün = Ich will dir danken / EG = Ev. Gesangbuch / weiß = In deinem Namen

  • Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt (Grün 425)
  • Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg (weiß 28)
  • Dein Wort kommt niemals leer zurück (grün 112)
  • Herr, dein Wort, die edle Gabe (rot 81, EG 198, grün 104)
  • Licht, das in die Welt gekommen (rot 88, EG 593)

Gebet: bete Psalm 119 (z.B. einzeln in Abschnitten: 1-8 . 9-16 . 17-32 . 33-40 . 41-48 . 49-56 . 57-64 . 65-72 . 73-80 . 81-88 . 89-96 . 97-104 . 105-112 . 113-120 . 121-128 . 129-136 . 137-144 . 145-152 . 153-160 . 161-168 . 169-176)